Es waren viele, die mich auf meinem Weg begleitet haben.
Kater Moritz war der Erste, der 1988 zu mir zog. In der Zeit musste Mensch die Futterdosen noch mit dem Dosenöffner aufmachen und zum ersten Mal begegneten mir Flöhe.
Moritz war ein Wegwerfkater, der mir in die Hände gedrückt wurde, weil sie ihn sonst vor die Wand geworfen hätten.
So stand ich damals ohne Ahnung und mit einem kratzbürstigen kleinen Tigerkater in meiner Wohnung und hatte nicht den blassesten Schimmer, was da auf mich zu kommen sollte.
Hätte ich mehr Ahnung gehabt, wäre er sicher nicht so lange allein geblieben und nicht das Dasein einer Hauskatze gefristet.
Zum Dank biss er mir regelmäßig die Telefonschnüre durch und fiel mich nachts im Schlaf an.
Als ich umzog, holte ich eine kleine Katze aus dem Tierheim, weil ich ahnte, dass das nicht verkehrt sein konnte. Einer allein langweilt sich eben.
Ich nannte das kleine Wesen Elisabeth und von Stund an waren beide ein Herz und eine Seele. Ich war froh, diesen Schritt getan zu haben und nun nahmen beide in meiner Abwesenheit die Wohnung auseinander, öffneten Türen und Küchenschränke.
Ich glaube, dass sie sich wohl fühlten, obwohl sie nicht hinausgehen konnten.
Moritz wurde ruhiger und wir zogen wieder um.
Als Lothar in mein Leben trat, ließ er auch die Katzen hinaus. Mein Vermieter rief regelmäßig an, dass ich Elisabeth aus seinem Bett holen sollte.
Zu der Zeit stieß das Käthchen zu uns. Sie gehörte dem Nachbarn, der sie nicht versorgte, und so stahl sie die Würstchen vom Grill; freundete sich mit den anderen Beiden an, mogelte sich aus der Waschküche in den Flur und aufs Sofa und in unsere Herzen.
Lillie erinnert mich heute an Käthchen, eine Seele von Katze, mit einem Herz eines Tigers.
Diesmal zogen wir alle gemeinsam um, in ein Haus mit großem Garten, wo wir heute noch wohnen.
Eines Tages brachte der Lothar den Tango von einer Baustetelle mit, eine zauberhafte kleine Katze, die einer Wildkatze sehr ähnlich sah.
Nun waren wir zwei Menschen und vier Katzen.
Das Zusammenleben gestaltete sich manchmal schwierig, aber sie konnten sich gut aus dem Wege gehen.
Moritz wurde 15 Jahre alt und die Trauer war groß. Wir haben ihn im Garten begraben und es brannte Monatelang eine Kerze auf seinem Grab.
Ende Juli ist immer Schützenfest und auf einmal stand ein kleiner schmutziger Kater vor der Türe, den wir Willie nannten.
Willie, so stellte sich heraus, war an Leukose erkrankt und wir trugen ihn ein Jahr lang zur Tierärztin, die uns dann mitteilte, dass er durch die preisintensive Behandlung wieder gesundet war. Als wir Willie erklärten, dass er nun kastriert werden sollte, ging er noch einmal durch das Haus, stupste alle Katzen an und ward nie wieder gesehen.
Seit dem vermeiden wir das Wort „Kastrieren“ und sprechen es nicht mehr aus, weil Katzen alles verstehen.
Wir jammerten sehr und suchten, aber er kam nie wieder. Heute sehe ich Bauernkatzen von nebenan, die seine Gene in sich tragen und ich bin mir sicher, dass er gesund und froh seiner Wege gegangen ist.
Irgendwann bei der Tierärztin schaute ich in Augen, in die ich mich sofort verliebte. Ein winzig kleiner rotweißer Kater, mit entzündeten Augen guckte mir in mein Herz und ich rief zu Hause an und erklärte, dass ich mich verliebt hatte.
Wir nannten ihn Bruno, der die ganzen Jahre im Frühling auf dem Dach hockte und versuchte die Schwalben abzupassen, die er natürlich nie erwischte.
Ich nannte ihn „mein Krötchen“, weil er leicht herausquellende Bernsteinaugen hatte.
Bruno war ein herzensguter Kater.
Bruno war der liebenswerte Chef der Katzenbande und sechs Katzen zu haben war für uns immer einhundert Prozent.
Zu meinem Geburtstag vor zehn Jahren schenkte die Nachbarschaft mir eine kleine rote Katze, die ich Fienchen nannte.
Rote Katzen sind selten und eine, die kein Katzenfutter mochte, sicher noch viel seltener. Wir zogen sie mit Altete groß und ich lernte die Angst kennen, dass eine Katze überfahren auf der Strasse liegen könnte. Ich war am Boden zerstört und heulte mir die Augen aus, dass ich mein geliebtes Fienchen verloren hatte.
Wir begruben sie neben Moritz im Garten.
Seit dem begeleitete uns die Angst und wir waren immer froh, wenn alle heile am Abend zu Hause waren.
Zwei Monate später, ganz leise an einem Feiertag fand Lothar die Tango überfahren auf der Strasse. Ich durfte sie nicht mehr sehen. Wir begruben sie neben Moritz und Fienchen. Ich kaufte ein rotes Glasherz, was seit vielen Jahren immer noch dort liegt.
Zwei Tage, nachdem wir die Tango beerdigt hatten, konnte ich die Trauer in den Augen nicht mehr sehen und ich rief die Tierärztin an, ob sie zufälligerweise eine kleine Katze für uns habe.
Ich fuhr hin und bekam eine kleine wackelige Kuhkatze in die Hand gedrückt, die angeblich sechs Wochen alt sein sollte, aber da sie kaum laufen konnte, tippte ich auf zwei Wochen. Sie hieß Emily und sollte auf dem Bauernhof der TA Gehilfin groß werden, aber der Hund vertrug sich nicht mit Katzen.
Ich nahm den Wurm mit nach Hause mit der Unahnung des Großziehens von Minibabykatzen.
Sie bekam Fläschchen und tapste hinter den Mensche her, wenn sie gefüttert werden wollte und forderte ihr Fressen lauthals ein und der Bruno nahm sie unter seine Pfoten und kümmerte sich um sie.
Wir nannten sie Lillie.
Zu der Zeit wohnten Elisabeth, Kätchen, Bruno und Lillie bei uns.
Die Damen gingen ihrer Wege, stromerten im Garten herum und genossen das Leben.
Lillie wuchs heran und ich bekam von meiner Schwester einen Blog geschenkt, worauf hin ich anfing, Geschichten aus der Sicht von Lillie zu schreiben.
Lillie war immer wachsam und entpuppte sich als Hausmeisterin der Familie.
Das Käthchen war ihr Leben lang Autoimmunkrank und bekam Medikamente. Bei uns lebte sie zufrieden, bewachte das Grundstück und lutschte so manche Maus tot.
Sie wurde trotz ihrer Erkrankung zehn glückliche Katzenjahre alt und wir waren froh, diese Herzensgute Katze so lange bei uns haben zu dürfen.
Scheinbar sind Kuhkatzen an sich immer etwas kränklich und wir verbrachten viel Zeit bei unserer Tierärztin.
Immer waren irgendwelche armen Seelen in den Boxen, die auf ein neues Zuhause warteten.
Bei einem Besuch lernten wir den kleinen Max kenne, ein schwarz weißer Kater, der eine weiße Maske um die Schnute hatte und ein Smoking Fell trug.
Menschen hatten ihn abgegeben, weil er einen gebrochenen Hinterlauf hatte, da er vom Pferd getreten war. Er sollte eingeschläfert werden, aber die TAs operierten ihn mit Erfolg und suchten ein neues Zuhause.
Aber wer schon vier Katzen hat, hat eigentlich schon mehr als reichlich fanden wir.
Mein Mann ging zu den Boxen ins Nebenzimmer und guckte dem Fritz in die Augen.
Was bin ich froh, dass er nicht locker gelassen hatte. Wir gingen mit beiden Jungs nach Hause.
Der Fritz hatte bis dahin noch keinen Namen und sollte ins Tierheim, sobald er sich von seiner Operation erholt hatte. Man hatte den Fritz in einer Tierklinik abgegeben, weil er einen Autounfall hatte. Sie amputierten ihm seinen Schwanz, weil ihnen nichts Besseres einfiel und wollten ihn einschläfern, weil ein gebrochener Oberschenkel zu teuer war, für ein Tier, was sowieso ins Tierheim kommen sollte.
Unsere Tierärztin operierte ihn.
Heute ist er der bezaubernste Kater der Welt mit keinem Defizit. Trotz seinem Schwanzstumpfes und seinem verkürztem Hinterbein ist er der weltbeste Baumkletterer, den ich kenne.
Als wir Max und Fritz zu Hause aus der Box ließen, waren sie fortan die besten Freunde und fast unzertrennlich.
Der Max machte nur Unsinn, tobte durch den Garten, war ein großer Jäger. Nachbarn beobachteten ihn einmal, wie er versuchte ein totes Eichhörnchen, das so groß war wie er selber, über die Strasse zu ziehen und nach Hause zu bringen.
Ein anderes Mal sah er aus wie Jaba Bings aus Star Wars, weil er eine Kröte im Maul hatte und die Hinterbeine aus seiner Schnute guckte wie ein Schnauzbart.
Max wurde eines Abends vor unserer Haustüre überfahren und Fritz suchte seinen Freund wochenlang, lag auf seinem Grab und wir trauerten.
Fritz fraß nicht und wir machten uns Sorgen, weil er so überaus untröstlich war.
Mir kann heute niemand mehr weismachen, dass Tiere nicht trauern können.
Uns brach das Herz, ihn so leiden zu sehen.
So trat der Findus in unser Leben, der bei der Tierärztin ein Rabauke sonder Gleichen war und nur Unsinn im Sinn hatte.
Bei uns zu Hause angekommen, lebte er zwei Wochen verschreckt unterm Sofa im Wohnzimmer und kam nur in der Nacht hinaus.
Heute ist er der selbstbewussteste Kater der Welt und der Intelligenteste im Katzenteam.
Meine Hoffnung, dass Fritz und Finni beste Freunde wurden, ging leider nicht in Erfüllung, und so blieb der Fritz fortan Einzelgänger.
Im Herbst Zweittausendacht mussten wir und auch von Elisabeth, die fünfzehn Jahre alt wurde verabschieden. Sie hatte zuletzt einen blutenden Lungentumor entwickelt, spuckte Blut und wir verabschiedeten uns von ihr mit der Tierärztin auf unserem Sofa zu Hause mit einem Lächeln.
Im Frühling Zweitausendneun bevölkerten kleine Bauernkatzen die Umgebung.
Ein kleiner schmuddeliger Kater fühlte sich zu uns hingezogen und nutzte jede Gelegenheit ins Haus zu gelangen und mit dem Katzenspielzeug zu spielen. Er freundete sich mit dem Finni an und als ich sah, wie er im Stall in den Kuhmisten spielte, sagte ich der Bäuerin, dass wenn er noch einmal zu uns kommen sollte, er bei uns wohnen würde. Da sie nichts dagegen hatte, nannten wir ihn Mikka und er wurde der beste Kumpel vom Finni.
Ich erinnere mich, wie stolz er guckte, als ich ihm ein rotes Babykatzenhalsband der Lillie umband und ihm sagte, dass er nun bei uns zu Hause wäre.
Alle Streiche und Erinnerungen habe ich in Lillies Blog verewigt.
Nun wohnten Bruno, Fritz, Finni, Mikka und Lillie bei uns.
Mikka war ein Schmusekater und saß jeden Abend schurrend auf meinem Schoß.
Im Juni zweitausendzehn lag Mikka überfahren auf der Strasse und wir beerdigten ihn unten im Garten bei den Anderen.
Finni erging es so wie dem Fritz, er suchte seinen Mikka tagelang und bewachte sein Grab und trauerte sehr.
Wir gingen ins Soester Tierheim, in der Hoffnung einen Freund für den Finni zu finden, aber haben von der Idee dann gelassen. Weil einen richtigen Freund zu finden, ist wie ein Lottogewinn und so eine gefundene Freundschaft würde sich nie wiederholen.
Irgendwie hat sich die Katzengruppe immer wieder neu formatiert und die Strukturen haben sich immer wieder aufs Neue geändert.
Sie lebten mehr oder weniger friedlich zusammen, schlugen und vertrugen sich.
Lillie war immer eine Einzelkatze unter Vielen. Bruno sorgte sich immer um alle.
Fritz und Finni gingen ihrer Wege.
Im September Zweitausendneu übernahmen wir einen kleinen seltsamen Kater, der einzig Überlebende eines Wurfes, von Mutterlosen Kätzchen. Wir erklärten uns bereit, obwohl ich eigentlich keine aufzupäppelnde Babykatze mehr haben wollte.
Die Tierarzthelferin durfte ihn nicht behalten und so zog Matthes bei uns ein.
Ein klitzekleiner schwarz- weißer Minikater mit einem großen Selbstbewusstsein.
Er war schon zwölf Wochen alt, war aber so winzig, wie die Lillie damals, als wir sie bekamen.
Matthes war in allem zurückgeblieben und verlangte noch mit drei Monaten seine Pulle.
Der Matthes war der seltsamste und stressigste Geselle, den wir je hatten.
Als er alt genug war, hatte ich immer das Gefühl, dass er nicht richtig im Kopf war.
Obwohl der Lothar immer behauptete, er sei schlauer als alle anderen zusammen.
Heute denke ich auch, dass er eine leichte Ataxie hatte.
So einen kleinen sturköpfigen Kerl hatte ich noch nie gesehen.
Irgendwann durfte er wie die anderen auch hinaus. Das ging solange gut, bis er nicht mehr nach Hause kam und ganze drei Monate verschwunden war.
Wir kamen um vor Sorge und gaben die Hoffnung nie auf. Lernten die seltsamsten
Menschen kennen und die abenteuerlichsten Lebensgeschichten kennen.
Wir suchten an den unmöglichsten Orten zu den unmöglichsten Tages- und Nachtzeiten nach ihm.
Eines Nachmittags rief der Greenkeeper vom benachbarten Golfplatz an und so fanden wir unseren Matthes wieder. Als er seine Gehirnhautentzündung überwunden hatte, machte er sich fortan unbeirrt auf dem Weg zum Golfplatz, wo wir ihn über ein Jahr lang jeden Tag abholten. Matthes war der Golfplatzkater an Loch fünf und wir gingen noch nie so viel spazieren bei Wind und Wetter wie zu der Zeit.
Im Jahr zweitausendzehn, im Juni sahen wir ihn ein letztes Mal und er blieb verschwunden. Der Lothar ist fest der Meinung, dass die Holländer ihn entführt haben. Was ich denke, das verschweige ich lieber.
Im gleichen Jahr mussten wir uns auch vom Bruno verabschieden. Das Katzenaids, was er wahrscheinlich als Baby von seiner Mutter erbte, war ausgebrochen und wir konnten in nur erlösen.
Wenn ich im Frühling auf das Hausdach gucke, sehe ich ihn dort sitzen und auf die Vögel gucken, die ihn beschimpfen.
So lebten Lillie, Fritz, Finni bei uns und drei Katzen waren wohl zu wenig.
Der Finni trauerte immer noch und wir auch über alle die wir verloren hatten.
So trat die Nikki in unser Leben. Eine alte Dame inspizierte unser Heim und befand es für gut, weil sie Nikki nicht behalten durfte.
Nikki entschwand dem Transportkorb und wohnte drei Monate im Notschrank in der Schlafzimmerecke und kam nur in der Nacht hinaus. Sie misstraute allem und jedem. Ich war nah dran aufzugeben, weil sie unnahbar und uns gegenüber sehr scheu war.
Bis dahin wussten wir nicht, dass es eine kleine Katze war, bis sie eines Tages rollig wurde und sie alles zusammenschrie und anbaltzte.
Der Finni, der wie alle unserer Katzen kastriert ist, erbarmte sich ihrer, biss ihr instinktiv geübt in den Nacken und seit dem liebt die Nikki den Finni.
Die Nikki ist eine halbe Wildkatze, immer auf dem Sprung, unberechenbar und obwohl sehr schmusig, doch immer mit Vorsicht zu genießen.
Als wir sie nach der Kastration hinaus ließen, dachte ich, dass sie nie wieder käme. Aber auch wenn sie besonders im Sommer ein paar Tage weg ist, kommt sie immer wieder und heute kann ich sagen, dass sie endlich hier bei uns angekommen ist.
Nachdem wir den Bruno verloren hatten, bat ich die Tierärztin mir Bescheid zu sagen, wenn ihr mal ein roter Kater über den Weg laufen sollte. Und so kam es, dass der Titus unsere Katzenbande im Jahre 2011 verstärkte. Ein kleiner roter Welpe, ausgesetzt mit seinen Geschwistern vor der Praxistüre.
Endlich eine Aufgabe für den Finni, der ihn erzogen hat.
Der Titus, der Feurige, ein liebenswerter kleiner Kerl, der heute so manches Mal auf dem Dach sitzt und die Vögel beobachtet, genau wie der Bruno es tat.
Heute wohnen Lillie, Fritz, Nikki, Finni und der Titus bei uns.
Außerdem bevölkern fünf Bauernkatzen unseren Hauseingang, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Erinnerungen verblassen, das Leben geht weiter. Der eine kommt, der andere geht und das liegt nicht in unserer Pfote. Unsere Katzen haben ein gutes Zuhause.
Vier unserer Katzen sind leider überfahren worden, aber ein Leben im Haus ohne Freigang ist für uns nur ein halbes Katzenleben.
In Memoriam:
Moritz, Elisabeth, Fienchen, Käthchen, Max, Mikka, Bruno, Tango, Stromi und die Verschollenen Willie und Matthes
©2014 DIE LILLIE