Alles reine Erziehungssache sagt meine Freundin.
Alles reine Erziehungssache, sage ich.
Nach all den Jahren, wo sie bei uns wohnt, sollte sie es so langsam wissen, dass Katzen nicht unbedingt zu erziehen sind.
„Pfui“ oder „runter vom Sofa“ oder gar ein lautes und bestimmtes „NEIN“ lässt mich nur ein Gähnen und einen schnippischen Blick hervorbringen.
Da steht im Raum, wer hier das sagen hat.
WIR.
Wer sonst?!
Da sind die Menschen weitgehend Beratungsresistent.
Sie wird es nicht müde und lässt sich alles Mögliche einfallen, um mich und die anderen auszutricksen.
Ich halte es eher mit der subtileren Methode des operanten Konditionierens.
Gewünschtes Verhalten durch Katzentricks. Das ist wahre Erziehung.
Katzenhaare im Bett das ist nicht nett, sagt sie und scheucht mich von ihrem Kopfkissen.
Aber, wenn ich mich (ich höre ihre schweren Schritte die Holztreppe hochkommen) dann elegant und schmuck schlafend stelle oder gar noch meinen „Ich bin sooooooooooooooooooo müde Blick“ aufsetzte. Wer würde so eine lieblich guckende Katze von ihrem Platz verjagen?
Am Morgen zieht die Katzenkarawane Richtung Frischluft hinaus in den Garten.
Mein persönlicher Türwächter öffnet die Türe und schließt sie wieder.
Trinkgeld gibt es nicht. Warum auch? Ein Blick“ Das kann auch etwas flotter gehen“ reicht vollkommen aus!
Die Tür ist zu. Ich gucke Sekundenschnell einmal in die Runde, warte das ploppende Geräusch ab, wenn ihr Allerwertester sich gerade auf den Stuhl niederlassen will, ab.
„MIIIIIIIIIIAUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU“
Der Hintern hatte nur Gelegenheit das Stuhlkissen zu sehen und macht sich erneut auf, die Türe zu öffnen.
Mittlerweile sitzt der Fritz genau auf dem Zeitungsartikel, der gerade gelesen wird und verlangt Wortlos einen Spritzer Sprühsahne.
Unterdessen scharrt der Floh an der Gäste WC Tür und verlangt Einlass.
Wer denkt, meine Freundin verliert den Überblick. Weit gefehlt. Aber wir arbeiten daran.
Draußen vor dem Küchenfenster sitzen die schwarzen Bauernkatzen und gucken dumm und hungrig durch das Fenster.
Ich kichere leise in mich hinein.
Der Kaffee kalt, die Zeitung voll von Tannennadeln.
Diese Art von morgendlicher Hektik kann ich ja gar nicht vertragen.
Ich schleiche die Treppe hoch.
Kommt sie mit einem Teller, bekomme ich Frühstück.
Guckt sie so seltsam, hat sie irgendwo die Schilddrüsentablette versteckt.
Das sehe ich Handlungsbedarf innerhalb von Sekundenbruchteilen und verschwinde unterm Bett.
Letze Woche habe ich dann aufgegeben, nur um ihr mal zu zeigen, dass Katz unters Bett passt, aber Mensch nicht.
Ich flüchte die Treppe hinunter, wäre gar nicht nötig gewesen, weil sie sich ihr Bein unterm Bett verklemmt hatte und sowieso nicht hinter mir her rennen konnte.
Ein Lerneffekt ist, dass sie nicht mehr versucht unters Bett zu klettern.
Alleine der Finni, der tut ihr ab und an mal die Liebe. Er macht „Sitz“ und bekommt ein Leckerchen und sie lächelt (was ja auch ein Leckerchen für sie ist)
Nun versucht sie ihm beizubringen, wie Katz sich auf dem Boden rollt.
Aus der Ferne schau ich zu.
Wenn sie das gut gemacht hat gehe ich an ihr vorbei und nicke anerkennend.
Wir Katzen, wir sind die wahren Meister der Menschenerziehung.